Der Marxdorfer Wolfshund
Er sieht aus wie ein Wolf, ist aber keiner. Der Marxdorfer Wolfshund ist eine noch nicht wirklich weit verbreitete Rasse. Hier erfährst du, woher er kommt, wie er tickt und warum er nicht zu jedem passt.
Während ich das hier schreibe, lebe ich seit gut zwei Jahren mit einem Marxdorfer Wolfshund zusammen. Fenja, meine Hündin, wird beim Spazierengehen regelmäßig für einen echten Wolf gehalten, manchmal auch für einen Husky, und ehrlich gesagt kann ich das verstehen. Das Aussehen kommt nicht von ungefähr, die Rasse wurde gezielt darauf gezüchtet.
Trotzdem ist sie ein Hund, kein halber Wolf. Nur eben einer mit sehr eigenem Kopf. Ich hatte selbst viele Jahre einen Labrador, und zwischen den beiden liegen Welten. Ein Labrador will dir gefallen, dieses Will-to-please ist bei der Rasse sprichwörtlich, er macht fast alles für dich. Beim Wolfshund läuft das anders. Wirf Fenja dreimal den Ball, und beim dritten Mal schaut sie dich an, als wollte sie sagen: "Alter, ich hab ihn dir jetzt zweimal gebracht. Wenn du ihn ständig wieder wegwirfst, hol ihn dir doch selbst."
Das ist kein Ungehorsam, das ist Charakter. Über genau diesen Charakter schreibe ich hier aus zwei Richtungen: aus dem, was offiziell belegt ist, und aus dem, was ich mit Fenja täglich erlebe. Verlässliche Infos zu dieser Rasse sind nämlich dünn. Ich halte mich an den Rassestandard der Rupps und an meine eigene Erfahrung und lasse weg, was im Netz nur voneinander abgeschrieben wird.
Herkunft und Geschichte
Den Marxdorfer Wolfshund gibt es erst seit 2004. Angefangen hat damit Familie Rupp, Robert und Jeannette Rupp, später mit ihrer Tochter Saskia Sophie, in einem Ort namens Marxdorf. Der hat der Rasse den Namen gegeben, auch wenn die Zucht inzwischen woanders sitzt.
Die Idee dahinter war konkret: ein Hund, der aussieht wie ein Wolf, mit dem du aber im Alltag leben kannst. Dafür kreuzten die Rupps zwei Rassen. Der Saarloos-Wolfhond liefert das wölfische Erscheinungsbild, ist als reiner Begleithund aber vielen zu scheu und zurückhaltend. Der Weiße Schweizer Schäferhund bringt genau das mit, was dem Saarloos fehlt: Er ist offener, menschenbezogener, leichter ansprechbar. Heraus kommt ein Hund, der im Typ stark an den wolfsnahen Saarloos erinnert, sich aber besser führen lässt. Ein Anfängerhund ist er meiner Meinung nach dennoch nicht.
Wie verbreitet ist die Rasse?
Kaum. Wie viele es weltweit gibt, kann dir öffentlich kaum jemand seriös sagen - am ehesten hätten die Ursprungszüchter selbst einen Überblick. Belastbare Zahlen findest du sonst nirgends. Klar ist nur: Es sind wenige. Wer einen Welpen will, sucht meist eine Weile und landet am Ende bei einer der wenigen Zuchtstätten. Spontan im Tierheim um die Ecke wirst du keinen finden.
Anerkannt, aber nicht überall
2016 wurde der Marxdorfer Wolfshund offiziell als Rasse anerkannt, auf der World Dog Show in Leipzig, durch die Verbände ACW und IHV. Die beiden großen Dachverbände FCI und VDH erkennen ihn bis heute nicht an.
Für den Alltag mit dem Hund ändert das nichts. Wichtig wird es nur, wenn du einen Welpen suchst: Ohne einen großen Verband im Rücken gibt es weniger Kontrolle über die Zucht. Wie sauber gezüchtet wird, hängt dann stärker am einzelnen Züchter. Worauf du dabei achten solltest, steht weiter unten.
Aussehen: Größe, Fell und Farben
Der erste Eindruck ist tatsächlich der eines Wolfs: mittelgroß bis groß, schlank, hochläufig, nichts Schweres oder Gedrungenes. Laut Rassestandard werden Rüden 62 bis 75 cm groß, Hündinnen 58 bis 70 cm, jeweils mit etwas Toleranz. Ein festes Gewicht legt der Standard nicht fest, diese Hunde sind eher leicht für ihre Größe.

Das Fell kommt in zwei Varianten, Langstockhaar oder Stockhaar, immer mit dichter Unterwolle. Diese Unterwolle ist der Punkt, den du im Alltag am stärksten merkst: Fenja haart das ganze Jahr über, im Fellwechsel kommt es noch dicker. Wenn dich Hundehaare in der Wohnung stören, ist das hier die falsche Rasse. Das meine ich ernst.
Bei den Farben ist der Standard offen, erlaubt ist praktisch alles, weiße Abzeichen an Pfoten und Brust eingeschlossen. Ein durchgehend schwarzer Sattel zählt dagegen als Fehler. In der Praxis siehst du meist die wolfsgrauen Töne, die der Rasse ihr typisches Aussehen geben.
Steckbrief Marxdorfer Wolfshund
- Ursprung
- ab 2004, Familie Rupp (Namensgeber: Marxdorf)
- Elternrassen
- Saarloos-Wolfhond × Weißer Schweizer Schäferhund
- Anerkennung
- ACW + IHV (2016), nicht FCI/VDH
- Größe Rüde
- 62 - 75 cm
- Größe Hündin
- 58 - 70 cm
- Fell
- Lang- oder Stockhaar mit Unterwolle, ganzjähriger Haarwechsel
- Farben
- alle erlaubt (schwarzer Sattel = Fehler)
- Wesen
- ruhig, reserviert zu Fremden, eng gebunden im Rudel
- Verbreitung
- wenige Tiere, nicht weit verbreitet
Wesen und Charakter
Der Rassestandard beschreibt einen ruhigen Familienhund, reserviert gegenüber Fremden, eng gebunden an sein Rudel. Im Kern passt das, aber so eindeutig wie es klingt, ist es bei Fenja nicht.
Anhänglich heißt bei ihr zum Beispiel nicht, dass sie an mir klebt. Zu Hause geht sie meist ihren eigenen Weg und entscheidet selbst, wann sie zu mir kommt. Draußen in bekannter Umgebung kann ich sogar ein Stück vorgehen, sie kennt den Weg und kommt allein klar. Bis sie merkt, dass sie mich wirklich nicht mehr sieht, dann fängt das erschrockene Suchen an. In fremder Umgebung dreht sich das um: Da schaut sie deutlich öfter, ob ich noch nah genug bin.
Auch das mit den Fremden ist nicht schwarz-weiß. Bei manchen Menschen, die sie kennt, dreht sie vor Freude fast durch, und ab und zu taut sie sogar bei Wildfremden sofort auf. Bei anderen bleibt sie auf Distanz und will sich nicht anfassen lassen. Und wenn zu viele gleichzeitig auf sie zukommen und sie bedrängen, kann Panik aufkommen und sie sucht das Weite. Die Rasse ist einfach sehr sensibel, und entsprechend unterschiedlich fällt das Verhalten aus, von Hund zu Hund und von Situation zu Situation.
Was im Standard so nicht steht: Zuhause ist Fenja die Ruhe selbst. Sie liegt gern und viel auf dem Sofa und ist im Haus entspannt. Beim Spielen dreht sie dafür schnell auf und wird richtig wild, nie böse, aber mit ordentlich Schwung und Körpereinsatz. Wie stark das ausfällt, scheint von Hund zu Hund verschieden zu sein. Ich habe leider zu wenig Kontakt zu anderen Haltern, um zu sagen, was die Regel ist und was einfach Fenja ist.
Für mich war deshalb von Anfang an das Wichtigste, das Spielen jederzeit abbrechen zu können. Fenja hört auf das Kommando "Schluss" sofort auf, egal wie aufgedreht sie gerade ist. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber zentral: Ein wolfsähnlicher Hund in dieser Größe, der im Spiel hochfährt und nicht mehr runterkommt, kann sonst in heikle Situationen geraten. So ein zuverlässiges Stopp-Signal gehört für mich zum Pflichtprogramm, nicht zur Kür.
Was ich sicher sagen kann: Diese Hunde sind aufmerksam, vorsichtig und merken sich alles. Fenja bellt selten, aber wenn, dann hat es einen Grund. Und sie lernt blitzschnell, leider auch den Unfug, den sie nicht lernen soll.
Das Wölfische steckt nicht nur im Fell. Du merkst es auch im Wesen: sensibel, eigenständig, distanziert. Wer einen unkomplizierten Kumpel sucht, der jeden anstrahlt, ist bei dieser Rasse falsch.
Haltung im Alltag
Ein Marxdorfer Wolfshund ist kein Hund, den du nebenbei laufen lässt. Er braucht Bewegung, Beschäftigung für den Kopf und vor allem Nähe zu seinen Menschen. Die enge Bindung hat eine Kehrseite: Diese Hunde wollen dabei sein.
Allein bleiben können sie trotzdem - nur kommt das nicht von selbst. Man fängt im Welpenalter mit ein paar Minuten an, steigert die Zeit langsam und bleibt konsequent dabei. Fenja hält heute locker acht Stunden aus, ohne durchzudrehen. Ich vermeide es trotzdem, wo es geht. Beim nächsten Hund der Rasse kann es ganz anders laufen: Der eine döst die Zeit weg, der andere zerlegt die Wohnung. Wer den Hund jeden Tag stundenlang sich selbst überlässt, macht beide unglücklich.
Dazu kommt die Sensibilität. Fenja liest meine Stimmung, bevor ich selbst merke, dass ich schlecht gelaunt bin. Mit Druck oder Härte erreichst du bei so einem Hund nichts, im Gegenteil, dann macht er dicht. Was funktioniert, ist Vertrauen. Stimmt die Beziehung, lernt er gern und schnell. Stimmt sie nicht, hast du verloren.
Für wen er passt, für wen nicht
Der Marxdorfer Wolfshund ist kein Anfängerhund. Das sagt Familie Rupp selbst, und nach zwei Jahren mit Fenja unterschreibe ich das sofort. Wer noch nie einen Hund hatte, unterschätzt schnell, wie viel so ein sensibler, eigenständiger Hund abverlangt.
Gut aufgehoben ist er bei Menschen mit Hundeerfahrung, die viel zu Hause sind und Lust auf einen Hund haben, der mitdenkt und auch mal anderer Meinung ist. Schlecht aufgehoben ist er bei jedem, der einen pflegeleichten Familienhund von der Stange erwartet, selten daheim ist oder sich an Hundehaaren stört. Klingt streng, erspart aber dem Hund und dir eine Menge Frust.
Gesundheit und Erbkrankheiten
Bei einer kleinen Rasse aus wenigen Tieren ist die genetische Basis schmal. Jeder Züchter muss abwägen: kranke Anlagen aussortieren, ohne den ohnehin kleinen Genpool noch weiter zu verengen. Für dich als Käufer heißt das, beim Welpen genauer auf die Gesundheit der Elterntiere zu schauen als bei einer Hunderasse von der Stange.
Für einen Teil der relevanten Erkrankungen gibt es Gentests, für andere nicht:
- MDR1 (Medikamentenunverträglichkeit): per Gentest abklärbar. Betroffene Hunde vertragen bestimmte Wirkstoffe nicht, etwa einige Entwurmungsmittel. Gut zu wissen, bevor der Tierarzt etwas verabreicht.
- Degenerative Myelopathie (DM): per Gentest abklärbar. Eine Erkrankung des Rückenmarks, die sich meist erst im höheren Alter zeigt.
- Hüftgelenksdysplasie (HD): kein Gentest, wird per Röntgen beurteilt.
- PRA (eine Augenerkrankung) und Epilepsie: dafür gibt es bisher keinen Gentest. Die Augen lassen sich tierärztlich kontrollieren, Epilepsie zeigt sich erst im Verlauf.
Für dich als Käufer heißt das vor allem: nachfragen. Ein guter Züchter legt offen, was getestet wurde und was nicht, und kann erklären, warum er ein bestimmtes Paar verpaart hat.
Einen Welpen finden
Weil die Rasse so klein und nicht im VDH organisiert ist, führt der Weg fast immer zu wenigen Zuchtstätten, die von Familie Rupp eingeschlossen. Das hat einen Vorteil und einen Haken. Der Vorteil: kurze, nachvollziehbare Wege. Der Haken: Ohne großen Dachverband im Rücken musst du selbst genauer hinschauen.
Lass dir die Elterntiere zeigen. Schau dir an, wie die Welpen aufwachsen. Frag nach der Zuchterlaubnis gemäß §11 Tierschutzgesetz. Ein seriöser Züchter stellt dir selbst Fragen und verkauft dir keinen Welpen auf Zuruf. Lass dir Zeit. So ein Hund begleitet dich über zehn Jahre, das ist kein Impulskauf, weil er auf dem Foto so gut aussah.
Was so ein Welpe kostet, erfährst du am ehesten direkt beim Züchter - feste Listenpreise nennt kaum jemand öffentlich. Und nicht immer muss es ein Welpe sein: Ab und zu sucht auch ein erwachsener Marxdorfer Wolfshund ein neues Zuhause, die Rupps führen dafür eine eigene Vermittlungs-Seite (öffnet in neuem Tab). Bei einer so seltenen Rasse passiert das aber selten.
Hast du den passenden Welpen gefunden, geht die eigentliche Arbeit los - hier die zwei Themen, nach denen am häufigsten gefragt wird:
Häufige Fragen
Ist der Marxdorfer Wolfshund ein Wolf oder ein Wolfshybrid?
Kein Hybrid: Er ist eine Kreuzung aus zwei Hunderassen, dem Saarloos-Wolfhond und dem Weißen Schweizer Schäferhund. Einen direkten, aktuellen Wolfsanteil hat er nicht. Über den Saarloos reicht die Abstammung aber weit zum Wolf zurück, und das merkt man - im Aussehen und in einem guten Stück Wesen. So extrem wie ein Tschechoslowakischer Wolfhund ist er nicht, ein typischer Anfänger-Familienhund aber auch nicht.
Wie groß und schwer wird ein Marxdorfer Wolfshund?
Der Rassestandard nennt für Rüden 62 bis 75 cm und für Hündinnen 58 bis 70 cm Schulterhöhe, mit zwei Zentimetern Toleranz. Ein festes Gewicht legt der Standard nicht fest. Gewichtsangaben im Netz sind Schätzungen, keine offiziellen Werte.
Wie alt wird die Rasse?
Eine offizielle Lebenserwartung ist nicht festgeschrieben. Die Rasse gibt es erst seit 2004, belastbare Langzeitdaten fehlen schlicht. Wer dir eine genaue Zahl nennt, schätzt.
Haart ein Marxdorfer Wolfshund stark?
Ja. Durch die kräftige Unterwolle haart er ganzjährig, im Fellwechsel wird es noch mehr. Regelmäßiges Bürsten gehört zum Alltag dazu.
Ist er ein Familienhund?
Im eigenen Rudel ja, anhänglich und eng gebunden, mit Kindern meist verträglich. Sanft und ruhig ist er deshalb nicht automatisch - viele sind ausgesprochen temperamentvoll und wild. Ein unkomplizierter Anfängerhund ist er ohnehin nicht: Er braucht Erfahrung, Zeit und enge Bindung.
Eignet er sich als Wachhund?
Er ist aufmerksam und meldet, bellt aber wenig und ist kein scharfer Schutzhund. Fremden gegenüber ist er reserviert, nicht aggressiv.
Was kostet ein Marxdorfer Wolfshund?
Feste Listenpreise gibt es nicht. Seriöse Züchter nennen den Preis auf Anfrage, weil er von Wurf, Ahnentafel und Aufzucht abhängt - wer einen Welpen möchte, fragt direkt an. Und ehrlich: Der Kaufpreis ist der kleinere Posten. Futter, Tierarzt, Versicherung und Zubehör über zwölf Jahre und mehr summieren sich deutlich stärker.
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